Wer im Glaushaus
sitzt ...

Brauchen Unternehmen noch Paläste aus Glas und Stahl?

Bis heute gelten große, imposante und teilweise protzige Firmengebäude als Demonstration des Erfolgs. Dazu gehören die reservierten Parkplätze für Vorstände, Inhaber und das Management. Diese Relikte aus hierarchisch geprägten Unternehmensstrukturen sind auch heute noch bei vielen Unternehmen gelebte Realität. Aber passt das zu einer modernen Arbeitswelt?

Dr. Meier fährt in seiner Mercedes S-Klasse auf das Firmengelände. Immerhin: Er fährt selbst. Er ist Vorstandsvorsitzender eines DAX-Konzerns – dafür ist das nicht selbstverständlich. Er parkt auf dem für ihn reservierten Parkplatz – direkt vor dem Eingang des gläsernen Gebäudes aus Stahl und Beton. Es ist ein Palast, ein massives Headquarter, vor dem jeder Besucher beeindruckt, vielleicht sogar etwas eingeschüchtert stehen bleibt. Es ist eine Burg, die mit der Absicht errichtet wurde, die Interessen des Unternehmens zu schützen, Geheimnisse zu bewahren, Feinde (=Konkurrenten) abzuwehren und Macht zu demonstrieren. Dr. Meier betritt das Gebäude durch die große, automatische Schiebetür, schreitet am Empfang mit vier Mitarbeitern vorbei durch die helle, kathedralenähnliche Eingangshalle, die mit Produkten und Auszeichnungen dekoriert wurde. Immer noch ist Dr. Meier berauscht vom eigenen Erfolg, von der Macht, die sein Firmengebäude zum Ausdruck bringt.

Aber nicht nur Dr. Meier ergötzt sich an der Wirkung der Architektur, auch seine Kollegen und Mitarbeiter sind stolz, in diesem Gebäude arbeiten zu dürfen. Man hat es geschafft, man sitzt in seinem Büro mit großen Glasflächen und Vorzimmerdame und ist Teil einer historischen Errungenschaft.

Leider ist man nicht ganz so stolz auf die eher überschaubaren Innovationen, auf die Dynamik des Unternehmens, die Schaffenskraft, die noch in der Zukunft liegt. Nicht ganz so froh ist man, dass man dem neuen Team für Digitalisierung keine passenden Räume zur Verfügung stellen konnte. Geschlossene Büros, umständliche Kommunikationswege, keine Skalierbarkeit. Dies führt dazu, dass viele der neuen Mitarbeiter das zwar renommierte, aber nicht flexible Unternehmen schon wieder verlassen haben. In Zeiten des Fachkräftemangels und der Verschiebung der Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kommt das einem Desaster gleich. Der Effekt, den der Headquarter-Palast in unserem Dr. Meier auslöst, tritt also bei den viel wichtigeren Informatikern, Ingenieuren und Designern höchstens noch beim Bewerbungsgespräch auf. Im täglichen Arbeitsleben sind andere Faktoren für die Zufriedenheit der Mitarbeiter und vor allem für die in die Zukunft gerichtete Leistungsfähigkeit entscheidend. Dieses Headquarter aus Glas und Beton symbolisiert die Vergangenheit, leider nicht die Zukunft.

Hier bieten flexible, modulare Gebäudekonzepte eine zeitgemäße und zukunftsfähige Alternative. Innerhalb von drei Monaten kann Raum für hunderte von Mitarbeitern geschaffen werden. Genauso wie die unternehmerischen Herausforderungen wachsen und schrumpfen Räume und Gebäude. Sie können erweitert und wieder zurückgebaut werden. Die Räumlichkeiten verändern sich im gleichen Rhythmus wie die Entwicklungen im Produkt- oder Forschungsbereich. Unternehmen werden zunehmend auf skalierbare Gebäudekonzepte setzen müssen, um den immer dynamischeren Veränderungen Rechnung zu tragen.

Für eine zeitgemäße Unternehmenskultur, die Innovation und Motivation fördert, gelten heutzutage andere Regeln als noch vor zehn Jahren. Gute Manager sind Teil des Teams und nicht mehr „die da oben“. Sie verzichten auf Statussymbole und Sonderrechte wie Parkplätze, das Büro im obersten Stockwerk, sie schreiben Ihre Mails selbst und kommen in Turnschuhen zur Arbeit. Kompetenz und Leistung werden nicht mehr durch einen 5.000-Euro-Anzug symbolisiert, sondern durch zukunftsrelevante Produkte und Leistungen. Diese Entwicklungen treten im Übrigen nicht nur bei Google, Facebook & Co., sondern auch in den mittelständischen Industrieunternehmen in der deutschen Provinz auf. Vielleicht können Konzerne sogar von ihnen eine ganze Menge lernen.

Die moderne Arbeitswelt benötigt neue, intelligente Gebäudekonzepte – passend zu zukunfts- und nicht vergangenheitsorientierten Unternehmen. Genauso agil wie innovative Produktentwicklungen müssen auch Firmengebäude sein. Fehler, die bei der Raumplanung gemacht werden, werden in Kauf genommen, korrigiert und durch neue Ideen ersetzt. Das funktioniert mit Glas und Beton nicht wirklich gut. Dr. Meier fährt übrigens bis zu seiner Pensionierung in zwei Jahren noch mit der S-Klasse auf seinen Privatparkplatz und schreitet in sein Büro im obersten Stock. Sein Sohn und Nachfolger sitzt mit seinem Notebook und in Jeans im offenen Büro eines Modulgebäudes – und erfindet mit seinem Team Dinge für die Zukunft.

Ulf Lück

Geschäftsführer conception GmbH

Quellenangaben

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